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Flugfantasien

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Ich kann nichts dafür, gänzlich keine Angst vor der Fliegerei zu haben. Meistens schlafe ich ein und verpenne grundsätzlich Turbolenzen. Am liebsten sind mir aber die dösigen Fantasien im Halbschlaf. Neulich flog ich von München nach Hamburg und es war ein wirklich traumhafter Flug durch eine dünne Wolkendecke mit fabelhaften Ausblick. Die Welt liegt dem Flugpassagier hunderte Meter tief zu Füssen, getrennt lediglich vom Aluminium des Flugzeugrumpf.

Wer Flugangst hat, sollte Blicke nach draussen unterlassen und sich auf seine eigene Meditation konzentrieren. Alle anderen: raus gucken!


Nicht, dass es da unten irgendetwas zu entdecken wäre. Man erkennt aus dieser Höhe kaum etwas, ausser vielleicht Siedlungsmuster, die Städteplaner der Nachwelt hinterlassen haben, grosse, mittlere, kleine Strassen, die von den Menschen verzweifelt angelegt wurden, um soziale Kontakte und die eigene Versorgung sicherzustellen und um den natürlichen Raum beherrschbar zu machen. Und auf einmal fällt einem auf Reiseflughöhe auf, dass dieser Raum, diese Welt ganz und gar nicht beherrscht ist und plötzlich ahnt man, dass der Mensch sich vielleicht einfach zu vermessen wichtig nimmt.
Ich flog da also über Franken als mir diese Art von Gedanken kamen. Wie schon erwähnt war die Sicht an diesem Tag aussergewöhnlich gut man konnte meinen, dieses Land dort unten genauso gut zu erkennen. Das Makro der Welt besteht aus Wäldern und Feldern, Seen und Küstenlandschaften, in denen die Mikrowelt der Menschheit ihre Spuren hinterlässt, wie Korrosionen auf den Blechen ihrer Maschinen. Sobald ihre Städte verwaist, das organische Leben also verschwunden ist, bereinigt die Natur jene Hinterlassenschaften wie der gesunde Körper totes Gewebe; der Asphalt und Beton zergeht zu Sand, die Natur ergreift zurück und triumphiert.
Völlig naiv ließ ich meine Gedanken schweifen und kam auf das Gefühl, das der menschengemachte Klimawandel eigentlich nur eine menschenerdachte Schwindelei sein kann, denn zwischen dem Makro und dem Mikro gab es nichts Bedeutendes. Dem Makro ist das Mikro schlicht egal. Nur umgekehrt wird ein Schuh draus. Es leidet nicht die Erde unter der parasitären Menschheit, sondern die Menschen unter ihrem Umgang mit dieser Erde.
Alles andere ist unerheblich.

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