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Ernst Jünger und der Zeitenwandel

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Es ist nicht verwunderlich, dass in Zeiten des Wandel, Zeiten wie die Gegenwart, Gegenpole als Orientierung gesucht werden. Veränderungen erscheinen, von außen betrachtet, aus dem Nichts, dem Chaos heraus zu entstehen. Wie auch kann etwas verstanden werden, was selbst im Moment der Entstehung nach einem Weg sucht, keinesfalls aber schon das Ziel weiss.
Politische und gesellschaftliche Veränderungen sorgen deshalb besonders heute für Ängste und Orientierungslosigkeit. Ein beruhigender Gegenpol und geistige Orientierung bietet die Ordnung.

Ordnung, Struktur und Organisation

Deshalb ist es weder verwunderlich, noch stellt es einen Widerspruch dar, dass immer mehr Leser Ernst Jünger für sich entdecken. Natürlich werden Zyniker darauf herumreiten, dass der deutsche Jahrhundert-Autor mit seinen, oft als kriegsverherrlichend mißverstanden, Werk „In Stahlgewittern“ zum Zeitgeist einer humanitären Kriegsakzeptanz treffend passen würde.
Tatsächlich ist es interessant, dass zu Jüngers neuen Lesern auch immer mehr desillusionierte Linke zählen. Früher, so beklagen sich Altlinke, haben sich die Jungen pauschal dem Kriegsdienst verweigert, heute verweigert die Jugend immer mehr den Kurs des uneingeschränkten Pazifismus.

Aber mit Jünger kann eigentlich nichts falsch gemacht werden. Ein Autor und Mensch, der sich wandelte und der sich schon sehr früh von Hitler abwandte, weil er erkannte, dass eine „Rasse, die andere Rassen abwertet und sich selbst durch Abwertung erhöht“ praktisch selbst disqualifiziert. Jünger war angewidert, trotzdem Kriegsteilnehmer und als Besatzungsoffizier in Paris.
Aber auch geheimer Unterstützter des militärischen Widerstands.

Ernst Jünger, ein Leben lang akribischer Sammler von Käfern, bewies, dass es möglich war, sich durch Ordnungsprinzipien und einer humanistischen Logik zu leiten und sich von totalitäre Strudeln fernzuhalten. Ein guter Konservativer? Oder ein ordentlicher Linker? Darüber darf wieder gerne gestritten werden.
Heute und morgen ist es wichtig, Ernst Jünger zu lesen. Besonders in schweren Zeiten. Gegen das Verrückt werden und verzweifeln.

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