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Barstow

Dieser Beitrag ist Teil 6 von insgesamt 7 Teilen der Serie Stadt & Land
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David Meyer - THE WAY TO BARSTOW
David Meyer – THE WAY TO BARSTOW – flicker

Barstow

South-California, USA

„We were somewhere around Barstow on the edge of the desert when the drugs began to take hold.“ Legendärer Einstieg in ein Stück Kultliteratur, das eigentlich überhaupt nichts mit dem kleinen Örtchen im San Bernardino Valley zu tun hat, außerdem wollten Hunter S. Thompsons Helden nach Las Vegas.
In südkalifornischen Barstow bleiben nicht wenige Europäer auf dem Weg nach Las Vegas hängen. Kommen von Los Angeles im Mietwagen und sind dann erschrocken über die unterschätzten Distanzen. Schliesslich bleiben die Feiglinge in Barstow hängen, wo ihnen in Malls und Bretterbuden billige Preise vorgegaukelt werden, diese Idioten. Manche fahren dann wenigstens bis Calico und denken dabei glatt, wenigstens den Bundesstaat gewechselt zu haben. Haben sie aber gar nicht. Dabei ist Barstow viel mehr, als nur das große Einkaufszentrum am Ortseingang.
Barstow ist auf den ersten Blick eine endlose Meile von Service-Stationen, Motels, Tankstellen, Auto-Parts, alles-Mögliche, ein Teppich von Billboard-Tafeln und beleuchteten Werbelogos links und rechts der historischen Landstrasse zwischen Los Angeles und Nevada. Vereinzelt Palmen, Werkhallen, mexikanische Mauern. Dem Sonnenuntergang entgegen, wie ein Cowboy auf der fünfspurigen Landstrasse (zwei Spuren pro Richtung plus eine Mittelspur). Doch bis nach Las Vegas ist es noch ein langer Weg. Sehr weit zerfransen die Vorstädte bis in die angrenzende Wüste. Immer wieder Autohändler und traurige Trailerparks. Man fragt sich insgeheim, wer hier draussen Autos kauft. Und wer hier wohnt. Wovon man hier leben soll. Aber das südkalifornische Klima und pazifische Wetter entschädigt für die, allerdings eher raren, tristen Eindrücke. Und überall roter Wüstensand, rote Hügel, rote Berge. Ecke First Avenue fahre ich rechts heran, denke, die Polizei sei hinter mir. Es war aber dann doch nur ein Rettungswagen, der mich jaulend überholte und recht dramatisch irgendwo rechts verschwand. Ich kann die Sirenen von Rettungsdienst, Feuerwehr und Polizei immer noch nicht auseinanderhalten.
Ich mag solche Straßen am liebsten, wenn ich gerade in den USA angekommen bin. Wenn man vom Flughafen kommt, im Mietwagen, und diese Art Straßen, die überall gleich aussehen, die ersten sind, die man sieht. Und man überall davon überzeugt werden soll, jetzt wirlich, echt, „in real“ in den USA angekommen zu sein. Stars-and-Stripes im Megaformat. Und damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich liebe Stars-and-Stripes.
Natürlich gibt es auch noch ein anderes Barstow. Das historische Zentrum mit der Town-Hall, dem alten Bahnhof und einem angenehmen Stadtkern. Doch dieses Barstow kannte ich nicht. Bin da einfach nicht durchgekommen. Nur durch dieses industrielle, serviceorientierte Barstow. Und da waren überhaupt keine Drogen, die zu wirken begannen. Ich fuhr also noch eine Runde durch dieses Nest.
Und hatte irgendwann die Schnauze voll und bin zurück nach Los Angeles gefahren. Den ganzen verdammten Weg durch die Wüste. Wie die anderen idiotischen Feiglinge.

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