blog Erinnerung

Normal

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In der Grundschule, damals, Ende der Siebziger, gab es mal so einen Vormittag, an dem die Eltern ihren Schülern beim Sportunterricht zusehen durften. Es wurde dazu in der Turnhalle so ein Parcour aus Geräten aufgebaut, über die alle Schüler unserer Klassen kletterten und sprangen, um zu beweisen, was man schon könne. Dem dicken Uwe wurde von der Klassenlehrerin assistiert, weil er alleine nicht schaffte, über die Bänke zu balancieren und auf der Matte einen „Baum“ zu purzeln. Und obwohl der dicke Uwe nichts dafür konnte, dick zu sein, weil daran eine Drüsenerkrankung schuld war, führte unsere Lehrerin ihn vor und sorgte auch unter den Eltern für Heiterkeit und wohlwollenden Schmunzeln. In Uwes Schatten erschienen die eigenen Kinder sportlicher. Niemand fand irgendetwas komisch oder falsch daran, Uwe vorzuführen. Es war normal. 
Ungerechtigkeit liegt nie in der Vergangenheit, sondern nur in der Gegenwart. Der zeitliche Kontext schuldet vieles, kann aber nichts zurückzahlen. Die Vergangenheit hat keine Bringeschuld.

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